GRAUBÜNDEN, SCHWEIZ

Der Morteratschgletscher

Der Morteratschgletscher ist der flächenmässig grösste Gletscher in der Berninakette. Die jährlichen Längenänderungsmessungen werden seit 1878 aufgezeichnet.¹ Die Zahlen zeigen, dass sich der Gletscher in den letzten 60 Jahren um mehr als 3 Kilometer zurückgezogen hat.

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Seit 1878 sind Längenmessungen aus dem Schweizer Gletschermessnetz für den Morteratschgletscher verfügbar. Zudem werden von Johannes Oerlemans und seinem Team seit 1995 jährlich Energiebilanzmessungen an der Gletscherzunge vorgenommen.

Die Gletscher erhalten

Gemäss Modellrechnungen²mit einem Klimaszenario von 0,022 °C Temperaturanstieg pro Jahr und ein ganzjährig schneebedecktes Gebiet von 0,8 km2, konnte berechnet werden, dass unter den heutigen Bedingungen sogar ein Gletscherwachstum (Längenzunahme) in 10 Jahren möglich wäre, wenn 10% der Gletscherfläche ganzjährig mit Schnee bedeckt wären.

Eine grosse Menge des Schmelzwassers des Gletschers könnte in grosser Höhe aufgefangen, in Form von Schnee recycelt und so dem Gletscher wieder zugeführt werden. Dazu braucht es Gletscherschmelzwasser, eine Strahlpumpe, ausreichenden Wasserdruck und eine ausgeklügelte Technologie zur Schneeproduktion ohne Strom.³

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Was passiert, wenn Gletscher mit Schnee bedeckt sind? Dies war eine zentrale Frage, die sich der Glaziologe Felix Keller von der Academia Engiadina in Samedan zusammen mit Hans Oerlemans von der Universität Utrecht (NL) im Namen der Gemeinde Pontresina seit 2015 stellt. Es folgten zahlreiche Studien und Feldversuche im Oberengadin, eine rechnerische Machbarkeitsstudie wurde durchgeführt und wissenschaftlich publiziert (Oerlemans et al., 2017).

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NESSy ZeroE ist der Name der bahnbrechenden und bereits patentierten Entwicklung. Sie ermöglicht die klimaneutrale und umweltfreundliche Produktion von Schutzschnee.

Die innovative Beschneiungsanlage wird derzeit von zwei Schweizer Unternehmen hergestellt. Die Bartholet Maschinenbau AG ist der weltweit führende Hersteller von Seilbahnanlagen. Die Firma Bachler Top Track AG hält zudem ein Patent auf das “Nessy”-System, das eine stromlose Schneeproduktion ermöglicht.

Wenn durch Schmelzwasserrecycling genug Schnee produziert werden kann, um 10% des Morteratschgletschers im Sommer schneebedeckt zu halten, wäre der Gletscher vor dem Abschmelzen geschützt. Unter den heutigen Klimabedingungen würde die Länge nach 10 Jahren sogar wieder zunehmen. ¹

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Grundlage dieser Arbeit war die weltweit längste Serie von Energiebilanzmessungen an einer Gletscherzunge (seit 1995), die vom Team um Johannes Oerlemans auf dem Morteratschgletscher gemessen wurde. Zusätzlich liegen Längenmessungen aus dem Schweizer Gletschermessnetz seit 1878 vor. Es konnte berechnet werden, dass unter den heutigen Bedingungen sogar ein Gletscherwachstum (Längenzuwachs) in 10 Jahren möglich wäre, wenn 10% der
der Gletscherfläche ganzjährig mit Schnee bedeckt wären.

 

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